Kern dieses Rechercheprojekts über den Währinger Schubertpark in Wien ist das Tonstück „Requiem an Schuberts Grab“. Dabei erforsche ich mithilfe einer konzeptorientierten Methode, der „Definition durch Geschehnis“, den konkreten als auch den atmosphärischen Raum dieses Friedhofs und Parks, der einst erfüllt von Geist und ästhetischem Wollen bedeutender Künstler aus Romantik und Biedermeier, nun in der konzeptuellen Analyse der Gegenwart auch Beschreibung findet.

Franz Schuberts ursprüngliche Grabstätte in unmittelbarer Nachbarschaft zu Beethovens Grabmal, ehemals im Währinger Ortsfriedhof außerhalb Wiens gelegen, befindet sich heute im Währinger Schubertpark, einer rund 14 ha großen Parkanlage mitten in einem dicht verbauten Wohnviertel des 18. Wiener Gemeindebezirks. Als einer der wenigen Grünräume der parknahen Wohnumgebung von Währing und Hernals ist der Währinger Schubertpark für Menschen aller Altersstufen, unterschiedlicher Kulturen als auch verschiedener Sozialisationen deren einziger unmittelbar zugänglicher Naturraumrest. Der von einer Mauer umfasste historische Gräberhain des Währinger Ortsfriedhofs, sowie die außerhalb des Gräberhains zwischen Eiben und Kiefern gelegenen Grabstätten Franz Schuberts und Ludwig van Beethovens, sind letzte Zeugnisse dieses von der historisch erfassten Wiener Gesellschaft bevorzugt belegten Friedhofs.

Ein bis in die Jetztzeit sich modulierender akustischer Raum umfängt die jeweiligen Park- und GrabbesucherInnen. Alltagsgeräusche – Straßenlärm, Vogelgezwitscher, Hundegebell und Gesprächsfetzen – beinhalten die Spuren des Lebens der Menschen, die in diesem Park manchmal ihre ersten oft aber auch ihre letzten freie Schritte tun. In vielen der dazwischen befindlichen Lebensabschnitte durchwandern sie dort Sandkästen, Fußballkäfige, Hundezonen und Liegewiesen dieser, ebenso wie auch der anderen städtischen Parkanlagen, bis hin zu den von diesem Wandern müde seienden, auf den Parkbänken nahe ihrer Wohnung zur Ruhe kommenden, sich nochmals am Gesang von Vögeln und dem Lachen von Kindern Erfreuenden, wobei sich so mit dem Bild eines müden Wanderers ein Kreis zu den Vertonungen Schuberts romantischer Dichtkunst immer wiederholt und aufs Neue schließt.

 

„Vielleicht liegt es an dem, was in den Menschen die den Schubertpark durchwandern, an unter ihnen Liegendem tonumfänglichem erscheint, wie eine Modulation aus dem Lebenszyklus der in der Parkbepflanzung simuliert behält, was das Gedenken an die Musik in den Menschen erbringt – das Leben als ein Klang ohne Gedanken an die Gegenwart oder Vergangenheit.“ Wolfgang Sohm

 

I. Requiem – zur Gedächtnisfindung des Tons (an Schuberts Grab)
II. Das Alltägliche – zu den alltäglichen Episoden als Fotoessay (an Schuberts Grab)
III. Abstraktion – die strukturelle Organisation des Parks und seines Alltäglichen (an Schuberts Grab)